An niemanden bestimmte

Schlagwörter

, ,

Was ich gerade brauche,
ist viel mehr von Dir.
Und was ich mir jetzt wünsche,
ist, dass ich endlich mal kapier,
warum Du nicht hier bist,
obwohl ich Dich doch brauch.
Vermisst du mich –
frag ich mich –
wenn Du fort bist, manchmal auch?

Komm zu mir,
damit ich Deine Nähe spür!
Sprich mich an,
damit ich Dir zu hören kann!
Hör nicht auf zu existieren,
weil ich sonst diesen Traum verliere –
und das will ich nicht!

 

Advertisements

Interviews mit der Zukunft . Das Leben genießen

Schlagwörter

, ,

Interview mit Amma Cobina

Frau Cobina, ich grüße Sie und fühle mich geehrt, in meinem Alter ein Interview mit einer Ältesten führen zu dürfen. Wie ist für Sie mit einem Menschen zu reden, der noch so jung ist wie ich?

Ich finde es wundervoll! Ich bin gerne mit jungen Menschen zusammen: mit meiner Enkelin, mit Großnichten und Neffen. Da fühle ich mich selbst gleich viel erjünger. Aber, es stimmt, meist bin ich von Menschen über hundert umgeben.

Viele Menschen meiner Generation meinen wegen Ihrer Vorschläge zum Umgang mit der sogenannten ‚Überalterung‘, Sie seien lebensmüde und depressiv. Wollen Sie sterben?

Ich werde sterben und mir wäre es nicht unrecht, wenn es bald soweit ist. Das heißt aber nicht, dass ich das Leben nicht genieße. Das habe ich früher nicht getan, aber nun hole ich es nach. Ich möchte mein Alter genießen! Und das
soll jeder Mensch dürfen! Darum geht es mir! Das Alter soll keine Lebensverlängernde Maßnahme sein, sondern ein Genuss!

Dieser Text ist wieder sehr lang. Ihr könnt ihn auch als Pdf-, Epub- oder Mobi-Datei herunterladen:
Interview_mit_der_Zukunft-Das_Leben_genießen.pdf
Interview_mit_der_Zukunft-Das_Leben_genießen.epub
Interview_mit_der_Zukunft-Das_Leben_genießen.mobi

Sie sagen aber immer wieder, dass Sie – und ich zitiere – ‚niemandem wünschen, über Hundert werden zu müssen‘. Das klingt doch sehr danach, dass Sie an ihrem Alter leiden!?

Ich leide nicht an meinem Alter, ich leide nur daran, dass es so verdammt lange dauert! Und ich leide im Nachhinein daran, dass ich soviel von meinem Alter verschwendet haben, nur damit es so lange dauert.

Gut, an dieser Stelle ist es wohl an der Zeit, dass Sie ihr Programm einmal – bitte kurz! – vorstellen.

Nun, im Grunde fing alles damit an, dass ich mich irgendwann zu fragen begann: Warum habe ich nur eine Enkelin und warum habe ich keine Urenkel? Ich selber habe zwei Töchter. Meine Mutter hatte fünf Enkelkinder und drei Urenkel. Meine Großmutter hatte neun Enkel und sieben Urenkel. Woran liegt das?

Vor 100 Jahren machten sich die Menschen Sorgen um die sogenannte Überbevölkerung. Damals lebten sieben Milliarden Menschen – heute sind es doch fünf Milliarden.

Zur Person: Amma Cobina ist 108 Jahre alt. Sie arbeitete bis zu ihrem 73-sten Lebensjahr als IT-Spezialistin im Bereich Neuro-Interface-Forschung für ein namenhaftes Unternehmen. Seit 3 Jahren vertritt sie als Älteste die Ashanti im Rat des Freien Afrika. Für ihren radikalen Ideen zur Bekämpfung der Überalterung der Gesellschaft, wird sie vor allem von vielen älteren Menschen gefeiert, während die jüngere Generation schockiert auf ihre Vorschläge reagiert.

Das ist zwar jetzt keine Zusammenfassung ihres Programms, aber woran liegt es ihrer Meinung nach?

An mir! An uns! Uns Alten! Wir sind zu viele und wir werden zu alt. Wir verdienen kein Geld mehr und unsere Kinder und Enkel müssen uns versorgen. Sie können es sich nicht leisten Kinder zu bekommen und sie haben auch gar keine
Zeit mehr dafür, weil sie uns Alte ernähren und sich um uns kümmern, statt um Kinder! Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Jungen immer noch viel Respekt vor den Alten haben – zu viel Respekt, wenn sie mich fragen.

Meine Großmutter hat mit ihren verstorbenen Ahnen geredet. Sie glaubte, sie leben unter uns. Heute sind wir die lebenden Ahnen. Wir werden einfach viel zu alt!

Dann kommen Sie doch jetzt zu Ihren Vorstellungen davon, was wir dagegen tun können, dass unsere Gesellschaft überaltert und die Jugend keine Zeit und kein Geld mehr für Kinder hat.

Ich habe mich gefragt, warum wir heute so viel älter werden als früher. Und letztlich lässt es sich auf drei Punkte zurück führen:

  1. Medizinische Fortschritte: Viel zu lange hat sich die Medizin darauf verlegt unsere Lebenserwartung immer mehr nach oben zu schrauben, ohne danach zu fragen, ob es überhaupt gut ist, dass wir so lange leben.
  2. Immer weniger Arbeit: Meine Großmutter hatte noch eine offizielle Wochenarbeitszeit von 45 Stunden – ihr Leben lang. Heute fangen junge Menschen – die die Zeit eigentlich für die Erziehung ihrer Kinder bräuchten – mit einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden an. Mit jedem Lebensjahrzehnt wird die Arbeitszeit aber kürzer. Ich habe, bevor ich in Rente ging, noch 20 Stunden in der Woche gearbeitet. Das schont unseren Körper und verlängert so unser Alter.
  3. Verzicht: Kaum jemand raucht heute noch. Wir vermeiden fettes Essen. Wir vermeiden Süßes. Wir vermeiden Rausch und Alkohol. Wir treiben Sport und gehen pünktlich ins Bett, statt die Nacht durchzutanzen! Wir verzichten auf
    Reisen, um uns in Europa, Amerika oder Asien keine resistenten Keime zu holen. Und, ja, wir Frauen verzichten auch auf Kinder, um unsere Gesundheit zu schonen! Damit wir lange alt und nutzlos sind!

Nun, das die Alten nutzlos sein sollen, kann ich so nicht stehen lassen. Ihre Erfahrung und Weisheit sind unerlässlich für unsere Gesellschaft.

Und doch will kaum ein Mensch unter 80 meine Weisheit hören.

Wir wollen sie ja hören. Deswegen sind wir schließlich heute hier. Was also sind ihre Gegenvorschläge?

Ganz einfach: Die Jugend soll sich wieder darauf konzentrieren, Kindern Leben und Liebe zu schenken. Sie soll dafür Zeit und Geld haben.

Die, deren Kinder groß genug sind, sollen etwas leisten dürfen.

Und wir Alten sollen das Leben und das Alter genießen dürfen. Und dann wollen wir gehen, wenn es Zeit ist und das ist es deutlich vor dem hundertsten Geburtstag.

Das haben Sie jetzt wirklich kurz zusammengefasst und wenn sie es so sagen, möchte ich Ihnen beinahe zustimmen, aber die Kritik entzündet sich an den konkreten Vorstellung, wie das Aussehen soll.

Nun, zunächst geht es mir darum, dass junge Menschen endlich Zeit und Geld haben, sich wieder um Kinder zu kümmern statt um ihre Ahnen: Ich fordere, dass die Wochenarbeitszeit zu Beginn des Arbeitslebens 20 Stunden nicht überschreitet. Dafür sollen junge Menschen das verdienen, was man bisher am Ende des Arbeitslebens verdient.

Die Arbeitszeit sollte dann kontinuierlich steigen. Warum soll man am Ende nicht 50 Stunden in der Woche arbeiten?

Nun, Kritiker würden sagen, weil das eine erhebliche gesundheitlich Belastung für ältere Menschen darstellt …

… und ihre Lebenserwartung verkürzt. Was doch eigentlich genau das ist, was unsere Gesellschaft braucht! Wir schonen uns und fühlen uns bereits am Ende des Berufslebens eigentlich nutzlos. Ein junger Mensch kann in 4 Stunden am Tag viel leisten. Ein alter Menschen braucht für die selbe Leistung ohnehin mindestens 8 Stunden.

Und wofür sollen wir uns so sehr schonen, dass wir am Ende nichts mehr leisten? Dafür dass wir so alt werden, dass wir am Ende doppelt so viele Jahre im Ruhestand verbringe wie wir gearbeitet haben. Das ist doch verrückt!

Nun, verehrte Frau Cobina, ‚verrückt‘ ist eines der harmloseren Worte, die Ihre Gegner verwenden, wenn es um ihre Ideen zum – wie Sie es nennen – ‚Genuss im Alter‘ geht.

Ich liebe fettes und süßes Essen. Es ist einfach so viel köstlicher als dieser ganze Gesundheitsfraß, den ich ein Leben lang in mich hinein gewürgt habe. Und wozu habe ich das getan? Um gesund zu bleiben und lange zu leben! So ein Unsinn! Und weshalb habe ich die ersten hundert Jahre meines Lebens auf Alkohol verzichtet?

Ich fordere Kampagnen für genussvolles und bequemes Essen, Alkohol- und Tabakgenuss für Menschen ab 40! Außerdem sollten Fitnessstudios für Menschen ab 50 gesperrt werden. Vielmehr sollte mit zunehmendem Alter alles auf Bequemlichkeit ausgelegt sein, so wie es unser Körper doch eigentlich fordert! Wieviel meiner Lebenszeit habe ich eigentlich in Fitnessstudios verschwendet?!

Es gibt eine Kampagne der Organisation Würdevolles Altern …

… der niemand über 40 angehört!

… also, diese Kampagne bezeichnet dieses Programm Selbstmord auf Raten. Was entgegnen Sie diesem Argument?

Wer Selbstmord begeht oder darüber nachdenkt, der will nicht das Leben genießen und der will auch keinen ‚Selbstmord auf Raten‘. So jemand will, dass es schnell vorbeigeht. Ich will mich nicht von einer Brücke stürzen oder Tabletten nehmen, wie viele Menschen in meinem Alter! Wussten Sie, dass die häufigste Todesursache bei Menschen zwischen 95 und 115 Selbstmord ist? Die meisten von Ihnen haben das Leben satt.

Ich war auch schon kurz vor diesem Punkt, aber ich will in Würde und natürlich sterben. Aber was wir betreiben, ist systematische Lebensverlängerung. Ich setzte mich dafür ein, dass wir wieder eine natürliche Lebenserwartung erreichen: 70, höchstens 80 Jahre. Das reicht doch für ein erfülltes Leben!

Diese ganze Medizin, die sich gar nicht gegen Krankheiten richtet, sondern den Tod hinausschiebt, gehört verboten!

Und was ist mit den Menschen, denen sie wichtig sind? Was ist mit ihren Kindern und Enkeln?

Die sollten ihr eigenes Leben leben. Auch das ist eine meiner Forderungen. Die Alten, Menschen ab 75, sollten sich nach und nach aus ihren Familien zurückziehen. Sicher möchte ich meinen Geburtstag oder Weihnachten mit meiner Familie verbringen, aber zu viel Kontakt ist nicht gut!

Es ist lieb gemeint und natürlich genieße ich jede Minute, die ich mit meiner Enkelin verbringe. Aber seien wir ehrlich: Es macht uns beiden den Abschied schwer!

Nun, Frau Cobina. Wenn ich ehrlich bin, dann muss ich vielem widersprechen, was Sie sagen. Aber vor allem denke ich, dass dieser Welt etwas fehlen wird, wenn es Sie nicht mehr gibt, mit ihren mutigen Ideen. Ich hoffe, Sie bringen noch lange junge Menschen mit Ihren Thesen auf die Palme.

So wie Sie das sagen, klingt es beinahe verlockend!

Danke für das Interview.

Ich bedanke mich!

Die im Interview wiedergegebenen Meinungen werden durch die Interviewpartner verantwortet und entsprechen nicht notwendiger Weise, der Meinung der Redaktion.